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DWT – Russland

Welcher Motorradfahrer träumt davon nicht? Alles hinter sich lassen und mit dem Motorrad die Welt entdecken. Zwei junge Deutsche haben sich mit DANE auf den Weg gemacht. Geplant hatten sie ein Jahr. Es wurden fünf! DANE – MEET NATUR.

Du willst mehr wissen: www.timetoride.de


Und so sitzen wir da zusammen mit der halben Judikative und Exekutive von Ulan-Ude


Mal abgesehen von der Warterei verläuft die Ausreise aus der Mongolei aber, genau wie die Einreise zuvor, sehr entspannt und ohne Probleme. Auf der russischen Seite der Grenze dann die nächste Überraschung, wir müssen mit den Motorrädern durch ein „Desinfektionsbad“ fahren. Zuerst deutet man uns, wir müssten das rechte der beiden Becken durchfahren, dort steht allerdings so tief das Wasser, dass wir wahrscheinlich unsere Koffer bis zur Hälfte (und damit auch den Kofferinhalt!) mit desinfiziert hätten. Ne, ne, das geht nicht. Wir also wieder umgekehrt und einfach die mittlere Spur genommen, die nur mit ca. 30 cm Wasser gefüllt ist. Es dämmert schon, als wir Ulan-Ude erreichen. Wir wollen in ein Guesthouse, dass uns Sybille vom Oasis empfohlen hatte.

Im Flyer wurde mit günstigen Zimmerpreisen sowie kostenlosem WiFi geworben. Hauptgrund, warum wir heute in einem Hostel einchecken wollen ist jedoch, dass wir uns zumindest einmal auf unserem Weg nach Vladivostok registrieren lassen wollen. Eigentlich braucht man sich ja nur zu registrieren, wenn man sich länger als 7 Arbeitstage an einem Ort aufhält und wir sammeln auch immer fleißig unsere Tankrechnungen um belegen zu können, dass wir ständig weiter reisen.

Aber unsere Erfahrung an der russisch-mongolischen Grenze hat uns gelehrt, dass wir sicherheitshalber lieber doch mindestens eine Registrierung haben sollten, damit die Beamten zufrieden sind und keine sinnlosen Diskussionen anfangen. Wir klingeln und es kommt auch sofort ein netter Typ herausgelaufen, der zu unserer Freude sehr gut englisch spricht und uns gleich das große Holztor aufmacht, damit wir unsere Motorräder im Garten des Hostels parken können. Der Typ vom Hostel erklärt uns, dass das Hostel diesen Sommer eigentlich gar nicht geöffnet hat, da es generalüberholt wird, deswegen haben sie im Moment weder WiFi noch fließend Wasser, aber wir können trotzdem für eine Nacht bleiben. Na super… :

Da unser Hostel-Vater scheinbar ein schlechtes Gewissen hat, da noch nicht einmal die Dusche funktioniert, bietet er uns an, für uns seine Banja anzuheizen. Wir haben zwar schon viel von den russischen Banjas gehört und gelesen, haben jedoch noch nie eine von innen gesehen und so sagen wir nicht Nein (sogar Helle, der Sauna wirklich gar nicht mag „viel zu heiß…“ lässt sich überreden)! Was uns dann allerdings erwartet steht in keinem Reiseführer dieser Welt.

Zur Feier des Tages, es sind schließlich ein paar westeuropäische Motorradfahrer zu Gast, werden gleich mal alle Freunde des Besitzers angerufen und ebenfalls zum Banja-Abend eingeladen. So sitzen wir keine 30 Minuten später mit einigen halbnackten Russen und deren Frauen im Vorraum der Banja, der u. a. mit einer gemütlichen Couch und einem Tisch ausgestattet ist, und trinken erst mal Bier mit ihnen. Das Bier und auch den Vodka , der fleißig ausgeschenkt wird, haben wir nicht etwa selbst gekauft, sondern es wurde alles von den Gästen mitgebracht und nun fleißig mit uns geteilt. Wie sich herausstellt sind wir in bester Gesellschaft, denn einer der Männer, ein dünner, schlaksiger, der scheinbar mächtig stolz auf seinen Körper zu sein scheint, denn jedes Mal, wenn wir unsere Gläser erheben um anzustoßen, betrachtet er wohlwollend seinen Bizeps, ist Richter. Die anderen Männer, darunter ein großer und stattlich gebauter Typ, den alle nur „Dschinges Khan“ nennen, sind Polizisten. Und so sitzen wir da zusammen mit der halben Judikative und Exekutive von Ulan-Ude und deren Frauen, trinken fleißig Vodka und Bier und werden alle 2 Minuten gefragt, wie uns denn die „beautiful Russian Girls“ gefallen. Hilfe! Wir wollten doch eigentlich nur schnell duschen gehen! (der Hinweis, dass einzig Helle ganz begeistert von dieser feucht-fröhlichen Wendung unseres Banja-Besuchs ist, ist wohl überflüssig!)

 

 

 

 

Für Helle haben sich die Jungs allerdings etwas ganz besonderes einfallen lassen: „Dschinges Khan“ hat im Garten ein frisches Büschel Brennnessel gepflückt. Die Blätter der russischen Brennnessel sind zwar deutlich keiner als die der deutschen, dafür weisen die Zweige aber auch viel mehr davon auf und brennen, ja brennen tun beide leider auch gleich stark, wie der arme Helle gleich zu spüren bekommen wird! 🙂

 

 

 

 

Als Helle an der Reihe ist, ist ihm schon ganz mulmig zumute, doch es hilft nicht, jetzt muss auch er ran! Ja und was soll man sagen… es brennt wie Sau! Als der arme Helle nach der Prozedur aus der Banja taumelt ist sein ganzer Rücken übersät mit hunderten von weißlich-roten, dick angeschwollenen Pusteln. Man, sieht das Übel aus! Dafür ist unser Anwalt mächtig stolz auf Helle, sind sie doch jetzt so etwas wie „Brennnessel-Brüder“! 🙂

 

 


Heute heißt es Abschied nehmen von Donato


 

 

Heute heißt es Abschied nehmen von Donato, der sich nun, nach über einem Jahr „on the Road“, etwas wehmütig auf die Heimreise zurück nach Italien macht. Wir dagegen wollen Richtung Baikalsee fahren, um dort am Ostufer ein paar entspannte Tage zu verbringen. Auf dem Weg hinaus aus Ulan-Ude und hinauf Richtung Norden fahren wir das erste Mal seit dem Beginn unserer Reise durch riesige Wälder. Ja, wir sind definitiv im Fernen Osten angekommen und freuen uns nach vielen, vielen Wochen der weiten Steppen nun endlich wieder Wälder um uns herum zu haben!

 

 

 

 

Wir fahren vorbei an kleinen Dörfern mit einfachen aber schönen bunt verzierten kleinen Holzhäuschen und erspähen auch sonst so die eine oder Kuriosität am Wegesrand. Als der dichte Wald, der uns seit Ulan-Ude umgibt, etwas nördlich des kleinen Örtchens Gremyachinsk das erste Mal einen Blick auf den Baikalsee freigibt, sind wir wirklich sprachlos! Der See ist so riesig, dass man wirklich fast meinen könnte, man wäre an einem Meer und auch der Wellengang am Ufer ist eher mit dem eines Meeres denn mit dem eines Sees zu vergleichen.

Der Baikalsee ist mit 1.642 m Tiefe, einer Fläche von 31.492 m² und einem Alter von 25 Millionen Jahren der größte und älteste Süßwassersee der Welt. Nur so zum Vergleich: Der See hat ein Volumen von 23.000 km³, das ist mehr als das Volumen der Ostsee und entspricht etwa dem 480-fachen Wasserinhalt des Bodensees. Durch die enorme Tiefe und Wassermasse des Sees und seiner Lage inmitten der russischen Wälder ist er nur in den Sommermonaten von Juni bis Oktober eisfrei und hat auch dann nur eine Durchschnittstemperatur von 3 – 4 Grad Celsius. Nur in einigen flachen Uferbereichen kann die Wassertemperatur auf 14 – 16 Grad Celcius ansteigen. Außerdem haben wir gelesen, dass auch die Landtemperatur in der näheren Umgebung des Sees um mehrere Grad kühler sein soll als in etwas weiterer Entfernung und tatsächlich, als wir uns dem See nähern spüren wir trotz Motorradkombi und Helm, dass es merklich abkühlt und der Wind deutlich auffrischt.

 

 


Als der dichte Wald den Blick auf den Baikalsee freigibt sind wir sprachlos


 

 

Kurz hinter dem Örtchen Gremyachinsk finden wir dann auch gleich eine recht schöne Stelle um unser Zelt für die nächsten Tage aufzuschlagen. Unser Plätzchen liegt direkt am Ufer des Baikalsees inmitten einer kleinen Baumgruppe. Der Platz und somit auch unsere Motorräder und das Zelt sind zwar von der Straße aus zu sehen, doch da hier so viele Menschen zelten haben wir keine größeren Bedenken. Wir achten nur darauf, dass wir unser Zelt nicht zu dicht neben anderen Campern aufschlagen, um etwas ungestört zu sein.

 

 

Helle´s erste Amtshandlung, noch bevor wir mit dem Aufstellen unseres Zelts beginnen ist natürlich Bier einkühlen! Unser Reiseführer hat leider was die Wassertemperatur des Sees angeht nicht gelogen – er ist richtig frisch! – doch als Bierkühler funktioniert er so umso besser! 🙂 Dann heißt es aber erst einmal Zelt aufstellen und Essen kochen, bevor wir den herrlichen Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier in vollen Zügen genießen können!

 

 

 

 

Den nächsten Tag nutzen wir für ganz bodenständige Dinge wie z. B Wäsche waschen und unsere Sachen flicken. Doch was in Deutschland bedeutet „Waschmaschine auf – Schmutzwäsche rein – Waschmittel und Weichspüler dazu – Startknopf gedrückt – fertig!“ bedeutet für uns Motorradreisende mehrere Stunden Arbeit. Zuerst müssen mehrere Ladungen Wasser mit unserem Benzinkocher erhitzt und in unserer 10 Liter Faltschüssel zusammen mit kaltem Seewasser zu einer nicht mehr ganz kochend heißen Mischung zusammengerührt werden, damit sich unser Reisewaschmittel überhaupt auflöst. Da wir nur knapp 10 Liter Waschwasser zur Verfügung haben, können wir pro Waschgang dann auch nur maximal 3 T-Shirts waschen, da sonst weder Flecken noch Geruch aus der Kleidung raus zu bekommen sind.

 

 

 

 

Wir haben zwar beide nur für knapp eine Woche Wäsche dabei, aber das sind dann trotzdem gleich mal 8 T-Shirts, 8 Paar Socken, zweimal Funktionsunterwäsche und zwei lange Hosen. Da ist Bea dann schon mal eine Zeit lang beschäftigt.

 

Wir verbringen noch einige Tage am Baikalsee, fahren ein bisschen das Ostufer entlang und genießen traumhafte Sonnenuntergänge in dieser herrlichen Kulisse bevor wir uns nach 5 Tagen wieder auf den Weg zurück nach Ulan-Ude machen. Da wir schon wieder eine gute Woche nicht „im Netz“ waren, nutzen wir die Gelegenheit um die sich schon wieder stapelnden Emails zu beantworten (man glaubt gar nicht, wie viele ungelesene Emails sich in nur einer Woche ohne Internet ansammeln können! *g*) und erste Details mit unserem Shipping-Agent in Vladivostok auszutauschen, damit dieser die Verschiffung unserer Motorräder von Vladivostok nach Bangkok vorbereiten kann.

 

 

 

 

Da das Internet des Hostels aber mal wieder unterirdisch langsam ist beschließen wir irgendwann mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren um uns ein Internetcafe mit schnellerem Netzzugang zu suchen. Alleine die Busfahrt ist schon ein Abenteuer für sich, denn hier spricht natürlich niemand Englisch und ohne die relativ detaillierte Beschreibung unseres Hostel-Vaters hätten wir wahrscheinlich nie den Richtigen Bus geschweige denn die richtige Haltestelle in der Innenstadt dieser  über 400.000 Einwohner zählenden Stadt gefunden. Da Ulan-Ude eher zu den russischen Großstädten zählt, finden wir tatsächlich auch recht schnell zwei Internetcafés. Als wir allerdings die stolzen Preise von fast 2 Euro pro Stunde für die Internetbenutzung sehen, vergeht uns die Lust.

 

Eigentlich wollten wir mal wieder einen Reisebericht online stellen und ein Video hochladen, doch dafür brauchen wir, obwohl wir alles soweit wie möglich offline vorbereitet hatten, mehrere Stunden Zugang zu relativ schnellem Internet, um das Material auf unsere Homepage hochzuladen und einzubauen. Bei fast 2 Euro pro Stunde ein ganz schön teures Vergnügen! :-/

 

 

 


Selbst in einer Großstadt wie Ulan-Ude spricht kaum jemand Englisch


 

 

Angenervt überlegen wir, was wir nun tun sollen. Kaum ein Hotel oder Hostel in dem wir bisher in Osteuropa übernachtet hatten, hat überhaupt Internet und wenn doch, dann meistens so unterirdisch langsam, dass man damit nicht vernünftig arbeiten kann. Internetcafés gibt es wenn überhaupt nur in den Großstädten und die Preise, die sie hier in Osteuropa in den Internetcafés verlangen, sind auch mehr als Wucher und so entschließen wir uns nach einigem hin und her, uns einen eigenen Internet-Surfstick zu kaufen. Wir finden nach einigem umherlaufen dann auch tatsächlich 3 Läden, die augenscheinlich die von uns gewünschten Internetsticks verkaufen. Leider spricht aber in keinem der 3 Läden irgend jemand auch nur ansatzweise Englisch und unsere Russischkenntnisse reichen bei weitem nicht aus, um den netten russischen Mitarbeitern unser Anliegen zu erklären. Als wir im dritten und letzten Shop gerade mit Händen und Füßen wild gestikulierend versuchen zu erklären, was wir denn brauchen, mischt sich plötzlich ein Kunde ein, der ein bisschen Englisch spricht. Mit seiner Hilfe können wir aus dem zwar sichtlich bemühten aber aufgrund der Sprachbarriere einfach überforderten Verkäufer dann doch noch alle gewünschten Informationen herausquetschen, die wir brauchen und so sind wir nach „nur“ einem halben Tag Rumgerenne in Ulan-Ude stolze Besitzer unseres eigenen Internetsurfsticks.

 
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