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Russische Gastfreundschaft

Welcher Motorradfahrer träumt davon nicht? Alles hinter sich lassen und mit dem Motorrad die Welt entdecken. Zwei junge Deutsche haben sich mit DANE auf den Weg gemacht. Geplant hatten sie ein Jahr. Es wurden fünf! DANE – MEET NATUR.

Du willst mehr wissen: www.timetoride.de

 

 

Am späten Nachmittag finden wir rein zufällig ein sehr, sehr nettes Plätzchen zum Campen an einem See nahe dem Örtchen Vjazemski. Wir können unser Zelt hinter einem kleinen Wäldchen aufschlagen und sind so für die umliegenden russischen Badegäste kaum zu sehen. Auch die Moskitos halten sich hier trotz Wassernähe in einigermaßen erträglichen Grenzen und so bauen wir erst mal unser noch immer klitschnasses Zelt auf und lassen es in der Nachmittagssonne trocknen. Und auch heute Abend genießen wir, wie schon so oft in den letzten Tagen, einen traumhaften Sonnenuntergang.

 

 

Farbenfroher Sonnenuntergang an einem einsamen See in Sibirien
 

 

 

Als wir am Morgen unsere Motorräder umparken wollen, damit wir sie nicht vollbepackt wenden müssen, springt doch tatsächlich Bea´s Rosi nicht mehr an. Kein Problem denken wir uns, Helle war am Vortag ja noch mit seinem Bike im Dorf um einzukaufen, da war das Starten auch kein Problem. Doch weit gefehlt, auch der Alperer verweigert seinen Dienst.

Anscheinend hat das mehrmalige Laden der Laptops am gestrigen Tag den Batterien der beiden Motorräder doch mehr zugesetzt, als wir gedacht hatten. Der erste Versuch von Helle, die Batterien beider Motorräder kurzzuschließen und dadurch genügend Spannung zu erzeugen, um zumindest eines der beiden Bikes zum Laufen zu bringen funktioniert leider nicht. So eine Scheiße!

 

 

Unseren Transalps mit leeren Batterien im Nirgendwo.
 

 

 

Naja gut, kein Problem denken wir uns, gestern waren so viele Russen mit ihren Autos am See, da gehen wir einfach los und fragen einen, ob er uns mit seinem Auto fremdstarten kann. Doch als wir den Weg von unserem Campingplatz vor zum See laufen, trauen wir unseren Augen nicht. Keine einzige Menschenseele weit und breit! Das kann doch jetzt nicht wahr sein! Na gut, es hilft wohl alles nichts. Bleibt als letzte Möglichkeit nur noch anschieben. Da wir aber mitten auf einer Wiese parken, müssen wir zuerst mal eines der Bikes gut 300 m Richtung See schieben um dort auf einer leicht abschüssigen und nicht ganz so bewachsenen Piste unser Glück zu versuchen.

 

 


Keine Starthilfe ohne Gegnleistung


 

Gerade als wir uns abmühen, Helles Bike nach vorne zum See zu schieben, kommt dann aber plötzlich doch ein Jeep angefahren. So versuchen wir also dem leicht irritierten Russen zu erklären, dass er mit seinem Auto doch bitte unser Motorrad fremdstarten soll. Dieser lässt sich allerdings nur auf den Deal ein, wenn sein Sohn (eine frühpubertäre geschätzte 16 Jahre alte Bohnenstange, einen Kopf kleiner als Helle) danach eine Runde mit Helles Motorrad fahren darf. Ganz wohl ist uns bei dem Gedanken zwar nicht, aber da wir so gar keine Lust auf noch mehr schieben haben, willigen wir schließlich ein. Wir düsen schnell zurück zu unserem Zelt, holen die Starterkabel und keine 5 Minuten später schnurrt der Alperer auch schon wieder wie ein Kätzchen. Sehr gut! 🙂

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir die kleine Stadt Lucegorsk. Die Stadt und alle ihre Bewohner leben von einem riesigen Kohlekraftwerk, das sich gleich am Eingang der Stadt befindet. Wir nutzen die Gelegenheit dieser größeren Stadt um im nächsten Supermarkt einige Lebensmittel und Getränke zu kaufen. Während Bea die Besorgungen macht, passt Helle derweil wie gewohnt auf die Motorräder auf. Wir stehen allerdings keine 5 Minuten vor dem Geschäft, da sind wir auch schon „umzingelt“ von Menschen.

Als wir zwei junge Russen nach einem guten Tipp für eine Campingmöglichkeit etwas außerhalb der Stadt fragen, werden wir überrascht, denn Alexey lädt uns spontan zu sich und seiner Familie nach Hause ein, um dort zu übernachten. Eigentlich wollten wir ja heute noch ein paar Kilometer machen, doch da die beiden jungen Männer so nett und engagiert sind, willigen wir schließlich ein, sie nach Hause zu begleiten.

 

Die Familie der beiden Jungs lebt hier am Rande der Stadt auf einer kleinen Datscha und versorgt sich zum größten Teil selbst. Sie bauen Obst und Gemüse an und sogar echte Wassermelonen wachsen in ihrem Garten! Das Leben hier ist sehr einfach, doch alle scheinen sehr glücklich zu sein.

 

 

 

 

Wir verbringen einen sehr netten Abend mit der Familie und am nächsten Morgen bekommen wir sogar einige Abschiedsgeschenke. Neben einer Strohpuppe, die die Häuser unserer Familien beschütz soll, werden wir mit jeder Menge Reiseproviant versorgt. Unter anderem eine ganze Tüte voll mit den leckeren selbstgebackenen Krapfen, einige Tomaten, Gurken und Paprika aus dem Garten der Familie, ein Glas Honig und eine riesige Wassermelone.Unser Einwand, dass vor allem die Melone nicht gerade optimal für den Transport auf einem Motorrad geeignet ist, wird von Mama Luda ignoriert und so starten wir, unsere Motorräder randvoll mit Fressalien bepackt, zu unserer vorletzten Tagesetappe auf dem Weg nach Vladivostok.

 

 

 

 

Ach ja, wir haben von Luda noch einige Fotos bekommen, die sie beim Schwammerl brocken zeigen. Es ist wirklich unglaublich, wie üppig die Ausbeute der beiden Damen in nur 1 Stunde pflücken im nahegelegenen Wald ist und wie riesig die Pilze sind, die hier wachsen!

 

Die letzten paar Kilometer bis Vladivostok fallen uns schon ein bisschen schwer. Nun haben wir die erste Etappe unserer Reise erfolgreich gemeistert und unser Abenteuer Osteuropa geht langsam zu Ende. Kurz vor Vladivostok sehen wir dann doch noch eine Kuriosität am Straßenrand, die uns zum Schmunzeln bringt. Einen Verkehrsübungsplatz „Made in Russland“. Wie geil!

 

 


In Wladiwostok sind wir mit den Jungs vom Biker Club Iron Angels verabredet


 

 

Aber dann heißt es endgültig: Vladivostok wir kooommmeeeen!!! Nach genau 15.893 Kilometern und 73 Tagen “on the Road” erreichen wir Vladivostok. Jetzt heißt es nur noch Kontakt zum Biker Club aufnehmen und die Jungs irgendwie finden. Doch das ist trotz der vielen Telefonnummern, die wir in den letzten Tage von russischen Bikern, die wir auf der Strecke hierher getroffen hatten, erhalten haben, leichter gesagt als getan. Als erstes versuchen wir unser Glück bei einem Biker Namens Boris. Es klappt auch und wir haben Boris am Telefon, nur leider spricht er so gut wie kein Englisch und so versuchen wir ihm irgendwie klar zu machen, dass wir gerade in Vladivostok angekommen sind und vor dem großen aus Beton gegossenen Namensschild der Stadt stehen. Irgendwie scheint Boris das aber nicht ganz zu verstehen und erklärt uns, wir sollen in die Stadt hinein fahren und bei der Tiger-Statue auf ihn warten, wo er uns zusammen mit einigen Biker-Freunden abholen will.

 

 

 

 

Etwa 15 Minuten später kommen dann tatsächlich Boris und ein weiterer Biker angefahren. Sie begrüßen uns und zu unserer Freude spricht der andere Biker recht gut Englisch. Er erklärt uns, dass sie sich freuen, uns kennen zu lernen und dass wir, wenn wir möchten, bei ihnen im Clubhaus schlafen können und sie auch einen Platz und Möglichkeiten haben, dass wir unsere Motorräder reparieren können. Wir sind begeistert und so folgen wir ihnen kreuz und quer durch die Stadt hinaus in ein kleines Industriegebiet, das am Rande der Stadt an einem Hang liegt.

Da wir noch nichts zu Abend gegessen haben fährt einer der Biker los um für alle Schaschlik zu kaufen. Schaschlik ist in Russland scheinbar eine Art Nationalgericht und man erklärt uns, dass es in Vladivostok das Beste Schaschlik in ganz Russland gibt! Als er wieder kommt, hat er zwei weitere Männer im Schlepptau. Zuerst nehmen wir an, dass auch die beiden zum Biker Club gehören, doch als uns einer der beiden mit den Worten „Servus, wie geht´s?“ begrüßt, sind wir doch ein wenig verwirrt!

 

 

 

 

Es stellt sich heraus, dass die beiden gar nicht zum Biker Club gehören, sondern sich zufällig am Schaschlikstand getroffen hatten. Igor, ein Russe der in Vladivostok lebt, hatte durch einen sehr lustigen Zufall ebenfalls einen deutschen Biker – Rudi aus Ingolstadt – zu Gast und als die beiden am Schaschlik-Stand auf den Biker vom Club trafen, hatte Igor ihn kurzerhand angesprochen und ihm von Rudi erzählt und im Gegenzug berichtete der Biker vom Club, dass sie ebenfalls gerade zwei Deutsche zu Besuch haben und so beschlossen Igor und Rudi ganz spontan mit ins Clubhaus zu kommen. Zufälle gibt´s, unglaublich!

 

Wir hatten mit Igor vereinbart, dass er uns am nächsten Morgen mit dem Auto abholt, da er Rudi das örtliche Motorrad-Museum zeigen will und die beiden auch eine kleine Sightseeing-Tour durch die Stadt machen wollen, zu der sie auch uns eingeladen haben. Helle nutzt die Gelegenheit um mal wieder ein wenig rumzublödeln…

 

 

 

 

Die nächsten Tage verbringen wir beim Biker Club, damit Helle zum einen unsere Bikes wieder auf Vordermann bringen kann, andererseits muss sich Bea dringend um die letzten Details bezüglich der Verschiffung unserer Motorräder nach Bangkok kümmern und einen Flug für uns beide muss auch noch gebucht werden. Es gibt also viel zu tun! Außerdem hat Helle von Felix, einem der Jungs aus der nebenliegenden Bikerwerkstatt, ein Stück Plexiglas geschenkt bekommen, aus dem er nun versucht, ein neues Windschild für seinen Alperer zu biegen. Man mag es beim Anblick seiner Primus-Gaskocher-Biegevorrichtung kaum glauben, aber es hat geklappt! 🙂

 

 


Die Aussicht auf die nächtliche Großstadt ist einfach unglaublich


 

 

Abends werden wir von Igor abgeholt, der uns Vladivostok bei Nacht zeigen will und in dessen Banja wir uns später dann noch duschen können, denn der Clubraum der Iron Angels verfügt leider nur über ein Waschbecken mit kaltem Wasser. Nach mehr als 2 Wochen ohne (richtige) Dusche klingt der Banja-Besuch selbst für Helle plötzlich ganz schön verlockend! Doch zuerst geht es zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt auf einem der Hügel, die Vladivostok wie eine Art Kessel umschließen. Die Aussicht von dort oben auf das nächtliche Vladivostok ist einfach unglaublich!

 

 

 

 

Am nächsten Morgen machen wir uns mit einigen Bikern der Iron Angels auf zu einem kleinen Motorradausflug ans Meer.  Nach einem reichlich erfrischenden Bad gönnen sich die Jungs erst mal eine Runde Tee und etwas Warmes zu Essen. Dass wir mit unseren Motorrädern quer durch das Strandbad gefahren sind und vor einem der Pavillons, in denen das Essen serviert wird, parken, scheint hier in Russland ganz normal zu sein und niemanden zu stören. Und selbst als Roman, einer der Iron Angels, dann auch noch genau vor unserem Pavillon seine Hayabusa ordentlich rauchen lässt, kommt niemand, um uns zu ermahnen! 🙂

 

 

 

 

Am späten Nachmittag geht es dann gleich noch einmal mit den Jungs „on the Road“. Sie wollen uns „ihr“ Vladivostok zeigen und so düsen wir noch einmal im Motorradkonvoi durch die Stadt. Na wenn das keinen Spaß macht! Als erstes fahren wir zu DEM Motorradtreffpunkt der Stadt. Es handelt sich um einen Parkplatz, der etwas oberhalb der Stadt auf einem der Hügel gelegen ist und von dem aus man eine super Sicht über die Golden Horn Bay hat. Es wimmelt hier nur so von anderen Bikern und auch Leuten in getunten Autos und wir erspähen die eine oder andere russische Kuriosität! Außerdem haben wir von hier oben eine phantastische Aussicht über Vladivostok und die Golden Horn Bay, die in der untergehenden Sonne ein ganz besonderes Flair ausstrahlen.

 

Heute müssen wir mal wieder fleißig sein. Helle hat noch so einiges an unseren Bikes zu tun und auch Bea ist bezüglich der Vorbereitungen unserer Motorradverschiffung mehr als eingespannt.

 

 

 

 

Trotz unseren Aufgaben fühlt sich vor allem Helle wie im Paradies, da es auf dem Gelände der Iron Angels nur so von „Männerspielzeug“ in Form von unterschiedlichsten Motorrädern, Quads und schicken Autos wimmelt! Außerdem kennt er inzwischen nahezu alle Mitarbeiter, die auf dem großen Gelände arbeiten, wird von ihnen besucht, da alle recht interessiert daran sind, was er da so an unseren Bikes rumbastelt oder schaut wieder bei einem der Jungs vorbei, weil er sich ein Werkzeug ausleiht. Natürlich wird er bei diesen Gelegenheiten immer auch gleich auf eine Tasse Kaffee oder ein Bier eingeladen.

 

 


Wir bestechen die Wachhunde mit Leckerlies in Form von Keksen und Wurst


 

 

Den Abend verbringen wir heute zusammen mit unserem turkmenischen Nachtwächter. Er erzählt uns, dass er vor einigen Jahren aus Turkmenistan nach Russland gekommen ist um hier zu arbeiten. Nun wohnt er zusammen mit seinen drei Deutschen Schäferhunden in einer kleinen Baracke hier auf dem Gelände und arbeitet als Nachtwächter. Er erklärt uns, dass seine Hunde jeden, der nachts versucht unerlaubt auf das Gelände zu gelangen, beißen würden. Solange wir aber nur von unserem Clubhaus-Raum zu den Plumpsklos, die sich auf der anderen Seite des Hofes befinden, gehen, soll es aber kein Problem sein. Na das ist ja beruhigend… Da versuchen wir lieber die Hunde mit Leckerlies in Form von Keksen und Wurst positiv zu stimmen!

 

 

 

 

Da wir einen 20 Fuß Container für die Verschiffung unsere Motorräder mieten mussten, hatten wir die letzten Wochen versucht in den einschlägigen Motorradforen andere Motorradreisende zu finden, die Interesse daran haben, sich den Container mit uns zu teilen und tatsächlich, wir waren erfolgreich!

 

Heute kommen Thomas und Andrea, ein deutsches Pärchen, mit dem Zug in Vladivostok an. Die beiden sind mit einer Transalp und einem Roller unterwegs und wollen nun auch nach Asien verschiffen. Da Ihre Motorräder erst am folgenden Tag mit der Transsibirischen Eisenbahn aus Irkutsk ankommen, treffen wir uns erst mal so mit den beiden am Bahnhof von Vladivostok. Wir beschließen zu dem deutschen Lokal zu fahren, in dem wir vor einigen Tagen mit Igor waren und das nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt liegt. Als wir dort ankommen, trauen wir unseren Augen nicht, denn wir entdecken Rudi an einem der Tische, der gerade genüsslich ein Bier schlürft.

 

 

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